Wissen Sie, wo das steht? Oder besser gefragt: Hätten Sie es gewusst? Ich weiß sowas nicht. Ich bin nicht der Auswendig-wissen-Typ. Ich bewundere Menschen, die Bibelverse mit Bibelstelle zitieren können. Ich muss raten: Ein Prophet? Es klingt doch wie ein Prophetenwort: Gott spricht. Das sagen die Propheten immer und dann kommen Mahnungen, die wir nicht hören wollen.
Falsch geraten. Der Vers stammt nicht aus einem prophetischen Buch des ersten Testamentes. Er ist aus dem zweiten Testament, nämlich der Offenbarung des Johannes (Off 21,5). Aber es stimmt schon: Johannes berichtet von dem, was ihm von Gott offenbart wurde. Und wer diese Offenbarungen ohne Vorkenntnisse liest, könnte glauben, es sei ein viel älterer Text. Die Form des Textes beginnt und endet mit Formeln antiker Briefe, wie auch Paulus sie verwendet. Aber der ganze Inhalt, die Beschreibung der Visionen erinnern mehr als stark an prophetische Verheißungen des Ersten Testaments, die Johannes offenbar ausgezeichnet kennt. Etwa 150-mal spielt er auf diese Texte an, ohne sie wörtlich zu zitieren. Vielmehr entsteht ein neuer Text, dessen reiche Anklänge bei den Lesenden selbsterklärend waren.
Der altgriechische Begriff für Offenbarung ist apokalypsis. Das sprichwörtliche Buch mit den sieben Siegeln sieht der Prophet. Das Lamm öffnet die Siegel. Vier apokalyptische Reiter entspringen den Siegeln: Krieg, Tod, Hunger, Seuche. Endzeitstimmung. Sieben Posaunen bringen gewaltige Katastrophen über die Erde. Babylon fällt.
Das steht in dem Text. Zwanzig Kapitel Weltuntergang. Ehe im 21. Kapitel Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!
Warum, fragen wir uns, warum so viel schriftgewordener Schrecken? Vielleicht, weil es tröstlich ist, für Menschen, die in solchen Verhältnissen leben, zu wissen, dass danach, ganz am Ende, nach zwanzig Kapiteln, der Ausblick kommt: Eine neue Erde. Wo alle Tränen abgewischt werden.
Bedeutet der Text, dass die Welt untergehen wird? Dass wir das Unheil nicht abwenden können? Dass die Reichen immer reicher werden, bis das ganze System zusammenbricht? Das kein Friede wird, ehe nicht alles zerbombt ist? Dass erst, wenn alles Land überschwemmt oder vertrocknet ist, eine neue Erde wird?
Ja, so wird es. Und wir werden schuldig sein.
Es sei denn: Wir übernehmen endlich die Verantwortung und reißen das Ruder herum. So steht es nicht in der Offenbarung des Johannes, aber bei Jeremia. Bekehrt euch, ein jeder von seinem bösen Wege und von euren bösen Werken, so sollt ihr in dem Lande, das der HERR euch und euren Vätern gegeben hat, immer und ewiglich bleiben. (Jer 25,5). Lassen Sie uns diesen Vers zusammenhören mit der Jahreslosung.
*Jahreslosung 2026 der Evangelischen Kirche in Deutschland