Sarah Engels wird Deutschland beim ESC vertreten. Der Song ist okay, die Stimme gefällt mir. Sarah Engels kann singen und tanzen. Keine schlechte Wahl. Nur die Performance wirft bei mir Fragen auf: Sarah trägt ein sexy Teilchen in rot, Overknees und Handschuhe. Die anderen vier Damen etwas zurückhaltender in schwarz. Die Choreographie wie Erotic Pole, nur ohne Stange. Gut, sie ist on fire. Schlafzimmersujet.
Sarah Engels wolle die Frauen stärken, sie dürften einfach sein, wer sie seien. Wer will Sarah Engels sein? Eine Sexbombe?
Ich möchte nicht missverstanden werden: Ich will nicht sagen, dass der Auftritt irgendwie unschicklich, aufreizend, unangemessen wäre. Da bin ich ganz bei Sarah Engels: Jede Frau hat das Recht, so zu sein, also auch so angezogen zu sein, wie sie möchte. Der nächste Schritt wäre, dass das auch für Männer gilt, dass es legitim ist, Rüschenblusen zu tragen ohne sich mit dem Attribut non-binär rechtfertigen zu müssen, aber das ist ein anderes Thema.
Die Frage, die sich mir stellt ist, warum sich eine Frau, die die Chance hat, die große Bühne zu erobern, als Rasseweib (in den 1980ern hieß das "Vamp") inszeniert. Welche Rollen gäbe es sonst? Die Fee, die Königin, das Mädchen. Das sind die weiblichen Archetypen, die ein patriarchales System für Frauen vorgesehen hat.
Wenn wir wirklich Frauen stärken wollen, sollten wir Zurückfallen in sexistische Rollenbilder nicht als Befreiung feiern. Sondern wir sollten uns aufmachen, eigene Repräsentationen zu erfinden. Wer wollen wir sein?