Die FDP will die Erbschaftssteuer abschaffen, lese ich heute in einem Kommentar von Stefan Kegel in der DNN. Auch er ist der Meinung, dass der Staat nicht zweimal die Hand aufhalten dürfe.
Können wir jetzt mal bitte aufhören mit dem Unsinn der Doppelbesteuerung? Ja, wenn Liesbeth Normalverbraucher ihr mühsam abbezahltes Einfamilienhäuschen mangels einer sinnvollen Regelung zu Lebzeiten ihrem einzigen Sohn vererbt, fallen Erbschaftssteuern an. Und das wäre eine Besteuerung von bereits schon einmal besteuertem Geld. Aber nur für den Wert, der jenseits des Freibetrages von 400.000 Euro liegt. Vielleicht ist Liesbeth so schlau gewesen, ihre beiden Enkel ebenfalls als Erben einzutragen. Jeder hat 200.000 Euro Freibetrag. Oder sie hat eine größere Summe zum Beispiel an eine Hilfsorganisation gespendet. Man kann da viel machen, wenn man es dem Staat nicht in den Rachen werfen will (um mal bei dem Narrativ des bösen Staates, der unser aller Geld will, zu bleiben).
Um Einfamilienhäuser geht es aber nicht. Es geht um Firmen. Für die Vererbung eines Unternehmens reichen die Freibeträge nicht, weil der Wert viel höher ist. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der gesamte Wert eines Unternehmens unversteuert ist. Jeder Pfennig, der in die Unternehmung investiert wird, kann steuermindernd geltend gemacht werden. Das bedeutet, er wird vom zu versteuernden Einkommen abgezogen. Bei kleinen Beträgen erfolgt das im laufenden Geschäftsjahr, bei größeren Beträgen wird die Summe über mehrere Jahre verteilt. Dieser Vorgang nennt sich Abschreibung. Versteuert wird nur, was abzüglich aller Kosten für das Unternehmen übrig bleibt.
Es ist also möglich, ein ganzes Firmenimperium aufzubauen, ohne auf dieses sich anhäufende Vermögen Steuern zu zahlen. Erst, wenn das Unternehmen verkauft wird, ist der Ertrag zu besteuern. Warum also nicht, bei einer Erbschaft? Von einer Doppelbesteuerung kann überhaupt nicht die Rede sein.
Herr Kegel behauptet, es gäbe einen Grundkonsens in der Gesellschaft. Menschen würden „weniger aus Eigennutz Geld anhäufen“ sondern, um es den Nachkommen zu hinterlassen, „um deren Leben leichter zu machen“. (DNN 16.06.2026, S.4) Dazu würde ich gern mal eine Statistik sehen. Besonders von der vielbeschworenen deutschen Mittelschicht.
Es geht nicht darum, „Träume von Umverteilungs-Gläubigen“ zu „befeuchten“, wie Herr Kegel höhnt, sondern es wird Zeit, die Ungerechtigkeit der Besteuerung anzuerkennen. Es ist wesentlich leichter, immer reicher zu werden, wenn man bereits reich ist, als reich durch fleißige Arbeit zu werden. Letzteres ist nämlich auch ein Märchen.