Wenn ein Kind geboren ist, werden Standardinformationen übermittelt. Zunächst das Geschlecht. Ein Junge, ein Mädchen- wie schön. Eigentlich nicht mehr wichtig, seit dem auch Mädchen erben dürfen und es keinen „Stammhalter“ mehr braucht. Dem Baby ist egal, ob die Schühchen aus rosa oder hellblauer Häkelwolle sind. Und dann der Name! Waren die Eltern kreativ oder traditionell? Lässt sich eine Verniedlichungsform bilden? Findet sich eine Reminiszenz an die Großeltern wenigstens im Zweitnamen? Dann noch Gewicht und Größe, und viel mehr kann man ja fast nicht sagen über einen Menschen, der erst drei Stunden auf der Welt ist.
Und hoffentlich ist das Kind gesund?
Was bedeutet „gesund“? Gesund heißt: Nicht krank. Ohne Abweichung von einer Norm, aber von welcher? Statistische Daten werden in Perzentil angegeben. Vielleicht ist das Kind sehr klein, verglichen mit anderen Neugeborenen. Wenn das Gewicht auf der 10. Perzentile liegt, bedeutete es, dass 90 Prozent aller Kinder gleichen Alters schwerer sind. Ist es deshalb „krank“? Erstmal ist es nur Statistik.
Vielleicht hat das Neugeborene eine körperliche Beeinträchtigung, die sein ganzes Leben besondere Fürsorge erfordert. Ist das Neugeborene gesund? Ja, es hat rosige Wangen und guckt munter in die Welt.
Ich las einmal den Bericht einer Mutter, die ein Kind mit einem Gendefekt hat. Freudestrahlend gucken Nachbarn und Bekannte in den Kinderwagen und dann ziehen sie betroffen den Kopf zurück. Sie hätten nicht gewusst, ob sie gratulieren dürften zu diesem Kind, hat die Mutter erzählt und wie wütend sie das gemacht hat. Wie sehr verletzt sie war. Das Kind ist doch gesund: Es hat rosige Wangen und guckt neugierig in die Welt.
Quasimodogeniti heißt der heutige Sonntag. Wie die neugeborenen Kinder sollen wir sein (1Petr 2,2): ohne Bosheit, ohne Heuchelei, ohne Neid, ohne üble Nachrede. Wie das Kind mit den rosigen Wangen. Eine Forderung, die nicht im Text steht, ist: gesund. Gesund ist keine Kategorie Gottes, keine Voraussetzung für Gottes Heil und Freundlichkeit. Bei Gott sind wir auserwählt und kostbar, so wie wir sind.
Was willst du, dass ich für dich tun soll?, fragt Jesus den Blinden (Luk 18,41). Nicht jeder Blinde will sehend werden. Nicht jede Gehörlose hörend. Die Gesellschaft sollte nicht Abweichung ausgrenzen, sondern integrieren. Nicht Andere sollten darüber bestimmen, ob ich richtig bin, so wie ich bin. Was willst Du, dass ich für dich tun soll?, fragt Jesus. Ich bin gefragt. Ich bestimme, welchen Heils ich bedarf. Mein Körper – meine Entscheidung.
Ein Kind ist geboren. Es ist vollkommen ohne Bosheit, ohne Heuchelei, ohne Neid und ohne üble Nachrede. Und wenn es nicht gerade einen Schnupfen hat, ist es vollkommen gesund.