Hellviolette Herbstastern hatte Michael mitgebracht. In duftigen Wolken schweben die kleinen Blüten über zarten Stängeln. Anfangs sind sie sehr durstig. Ich beobachte den Wasserstand in der Glasvase. Dienstagnachmittag hat Michael den Strauß gebracht. Am nächsten Tag zum Abendessen war die Vase fast leer. Der Spätdienst hat Wasser nachgefüllt.
Heute ist Samstag. Die Astern trinken weniger. Die Blüten haben die Blütenblätter, deren Farbe nach und nach blasser wird, nach hinten gebogen und die Büschel der Staubfäden weit heraus geschoben. Im Garten würden sie von Bienen umschwärmt. Hier im Zimmer ist es vergebens. Pollen liegt hingestäubt wie gelbes Mehl rund um die Vase. Wenn man es weg wischen würde, gäbe es Flecken auf dem Tuch, die nie wieder raus gehen. Die Stiele zeigen braune Stellen.
Morgen, denke ich, morgen werden die ersten Blüten trocken sein. Spätestens am Montag nehmen die Astern kein Wasser mehr auf. Sie wissen, wann die Zeit um ist. Wenn Michael am Dienstag den Strauß aus der Vase nimmt, werden die trocken gewordenen Blätter wie Herbstlaub rascheln und auf dem Weg nach draußen den Boden vollkrümeln. Michael wird es wegkehren und einen neuen Strauß in die Vase stellen. Cosmea vielleicht. Cosmea wäre schön.