Odyssee

Schade, Herr Nolan, das war wohl nichts. Drei Stunden wird das Märchen vom Mann, der ein Held ist, in blutigen Bildern erzählt. Es wird gestürmt und gebrandschatzt, gemordet und gemeuchelt, erdolcht, erstochen und enthauptet. Odysseus ist der Stärkste von allen, der Tapferste, hat die schönste Frau und die hehresten Werte. Soweit die Vorlage. So weit der Film. Ein Männerfilm, sagt meine Freundin Uta. Was bitte soll das denn heißen? Männer spielen gerne Ballerspiele und gucken gerne Filme, in denen es um männliche Gewalt geht? Ich glaube nicht, dass wir emanzipatorisch mit solchen Vereinfachungen weiter kommen.
Aber der Film hat doch eine Botschaft, könnte man einwenden. Der Held erkennt, wie sinnlos alles Morden war. Am Ende seines Abenteuers kommt die Einsicht. Wie das eben so ist, bei einer echten Odyssee.
Mag sein. In den letzten zwanzig Minuten des Filmes teilt uns Odysseus seine Erkenntnisse mit. Es wird ein wenig rührselig, ich wische mir ein Tränchen weg. Handlung gibt es kaum noch – Odysseus spricht. Wie ein Erzähler aus dem Off, erklärt er unter der Kapuze seines Umhanges hervor.
Was wissen wir über die Macht von Bildern und die Kraft der Worte? Dass kein schöner Satz sich über Bilder, die sich in unser Gehirn einbrennen, hinwegsetzen kann. Fast drei Stunden zeigt der Film Gewalt über Gewalt und am Ende flüstert der Held: Oh weh, das war alles ganz falsch. Und das soll dann der Ausgleich sein?
Die Frage ist, wie man diese Geschichte zeitgemäß erzählen könnte. Vielleicht einfach gar nicht. Vielleicht sollten sie sich die Story des nächsten Filmes einfach wieder selbst ausdenken, lieber Herr Nolan.