Die Mutter liebt das Kind. Außerdem will sie eine gute Mutter sein. Vielleicht will sie sogar noch mehr eine gute Mutter sein, als sie ihr Kind liebt. Jedenfalls hat sie dem Kind einen Wunsch erfüllt. Immer geht es ums Geld. Denn die Wünsche des Kindes kosten mehr Geld, als das Kind Begriffe davon hat. Nun endlich hat die Mutter, weil preisgesenkt wegen Schlussverkauf, denn der Sommer und damit die Badesaison geht zu Ende, dem Kind den Nixenschwanz gekauft: ein grün schillernder Stoffschlauch, den man überstreifen kann, mit einer großen Flosse. Das Kind hat ihn übergestreift. Sehr schön nixenhaft sieht das Kind aus, wie es durch das Becken taucht, Wellen schlägt, Kreise zieht, Strudel schwimmt. Noch jubelt die Anfangseuphorie, wie sie jedes neue Spielzeug begleitet. Aber über kurz oder lang, eher kurz, wird sie abebben und die Flosse im Sammelsurium eines deutschen Kinderzimmers versanden. Noch jauchzt es, das Kind, und die Mutter ist eine gute Mutter.
Am Beckenrand steht die Freundin des Kindes, die keinen Nixenschwanz hat, hüpft ein bisschen in seichten Wellen, blinzelt in die Sonne und entdeckt ein anders Kind, freundet sich in Windeseile an, wie es nur Kinder können, ohne Namensnennung, ohne woher und wohin. Wollen wir rutschen?
Fort ist die Freundin, als die Nixe zurückgeschwommen kommt, sich verwirrt suchend nach ihr umsieht.
Die Mutter liebt das Kind nun wieder mehr, als sie eine gute Mutter sein will, und weiß nicht, wie sie das Kind trösten könnte.