Schreibenden fällt nicht immer etwas ein. Leider eher selten. In meinem Fall zu selten. Dafür gibt es Ratgeber und Inspirations-E-Mails und Schreibworkshops.
Dabei könnte man einfach die Träume nehmen, die mein Gehirn kurz vor dem Wachwerden produziert: Eine Firmenweihnachtsfeier. Jeder bringt ein Geschenk mit. Es wird gewürfelt. Am Ende steht noch ein Geschenk in der Mitte, das niemand mitgebracht hat. Geht doch gut los.
Oder mein Traum von gestern: In der Kirchgemeinde ist Erntedank. Es gibt Eiersalatbrötchen. Die Männer ringen miteinander, aber einstudiert, wie Paartanz. Einem rutscht bei den hitzigen Handgreiflichkeiten die Hemdbrust aus dem Jackett. Dann kommt der Weihnachtsmann und umarmt jeden Einzelnen.
Oder heute Morgen: Im Plattenbaugebiet, der Ort meiner Kindheit, waren neue Spielplätze gebaut. Riesige Areale mit Klettertürmen und Wasserspielen. Mein Sohn war natürlich schon wieder komplett nass. Die eigentliche Frage war aber, ob der Prinz sich für mich oder meine Freundin entscheidet. Die Freundin groß, schlank und schön und ich – naja, ihr wisst schon. Meine Chancen standen nicht besonders. Aber aus irgendeinem Grund hatte ich die unerschütterliche Gewissheit, dass das Märchen gut ausgeht.